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Hans Theo Peschkes

Hans Theo Peschkes

Pressemitteilung:

23. Juli 2004

Fachdiskussion: Mit Prävention und Rehabilitation die Pflegebedürftigkeit überwinden

Die SPD–Landtagsfraktion hat mit 200 sachkundigen Gästen Eckpunkte einer «Reform der Pflegeversicherung» diskutiert. Im Zentrum stand die Forderung, Prävention und Rehabilitation vor die Pflege zu stellen und zu intensivieren. Auch bei bereits eingehender Pflegebedürftigkeit müsste es ein Ziel sein, durch medizinische Rehabilitation und Prävention die Pflegebedürftigkeit zu überwinden oder zu mindern. In Nordrhein-Westfalen erhalten rund 460.000 Personen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Etwa 130.000 von ihnen werden in Heimen gepflegt, 330.000 zu Hause von Familienangehörigen, ehrenamtlichen Helfern und Pflegediensten. Als weitere zentrale Eckpunkte einer Reform sieht die SPD-Landtagsfraktion:

- Pflege im ganzheitlichen Sinne gelingt bereits heute und erst recht in Zukunft nur in Netzstrukturen,

also einem Hilfemix anstelle isolierter Strukturen.

- Für die Umsetzung eines individuellen Hilfeplans sind Case–Management–Kompetenzen und –Funktionen unverzichtbar. Deshalb sollte Case–Management als eigenständiges Leistungsmerkmal etabliert werden.

- Tagespflege als eine die häusliche Pflege unterstützende Dienstleistungsform muss dadurch nachhaltig gesichert werden, dass sie einen eigenständigen, von der häuslichen Pflege losgelösten Leistungsanspruch erhält.

- Die Attraktivität der Pflegeberufe muss durch umfangreiche Maßnahmen zu Imageverbesserung des Berufsbildes Pflege gestärkt werden; bis 2015 werden in NRW zwischen 44.000 und 100.000 zusätzliche Altenpflegekräfte gebraucht.

- Das bürgerschaftliche Engagement als Ergänzung professioneller Dienstleistungen und die Stärkung des Selbsthilfepotenzials sind ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität der Pflegebedürftigen.

- Die Kommunen müssen wieder stärker Verantwortung für Steuerung und Planung übernehmen und in die Lage versetzt werden, pflegeergänzende Angebote zur Verfügung zu stellen.

- Personengebundene Pflegebudgets können den Pflegebedürftigen eine größere individuelle Wahlfreiheit von bedarfs– und bedürfnisorientierten Leistungen auf dem freien Markt eröffnen.

Horst Vöge, stellvertretender Vorsitzender, und Michael Scheffler, sozialpolitischer Sprecher SPD-Fraktion hoben die Bedeutung einer Reform der Pflegeversicherung hervor. Die Anzahl der über 60jährigen Menschen werde zwischen 2005 und 2015 um insgesamt rund 314.000 zunehmen. Es werde dabei eine Verschiebung von den jungen Alten zu den Hochaltrigen und damit zu den pflegerelevanten Jahrgängen geben. Die SPD-Landtagsfraktion werde sich aktiv in die Diskussion auf Bundesebene einschalten. Es gehe darum, einen gesellschaftlichen Konsens darüber herzustellen, wie die Pflege der Zukunft aussehen soll, was jeder einzelne dazu beitragen müsse und wie die Gesellschaft als ganzes damit umgehen wolle. Die soziale Teilhabe von pflegebedürftigen Menschen außerhalb des Sozialversicherungssystems müsse abgesichert werden. Auch hierfür könne das Ehrenamt sinnvoll aktiviert und eingebunden werden.