|

Hans Theo Peschkes

Hans Theo Peschkes

Pressemitteilung:

29. November 2005

Marc Jan Eumann: Chancentod Studiengebühren

"Der Gesetzentwurf der Landesregierung zu Studiengebühren weist massive handwerkliche und juristische Fehler auf. Die SPD-Landtagsfraktion teilt die Kritik des Aktionsbündnis gegen Studiengebühren und unterstützt zusammen mit den Gewerkschaften die Proteste der Studierenden. Auch viele Hochschulen in Nordrhein-Westfalen lehnen den Studiengebührenweg der Regierung ab. Der Minister muss den Entwurf zurückziehen. Herr Pinkwart sollte sich die Freiheit nehmen, seinen Fehler zu erkennen und die Studiengebührenpläne der Landesregierung stoppen", forderte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Marc Jan Eumann, heute in Düsseldorf.

Der SPD-Hochschulexperte warf dem Minister vor, die Studierenden über die finanzielle Belastung durch Studiengebühren-Kredite im Unklaren zu lassen: "Herr Pinkwart erweckt den Eindruck als seien die Studiengebühren sozial gerecht und locker zu finanzieren. Dabei werden die Kredite für sehr viele junge Menschen zu einer massiven Dauerbelastung." Die SPD habe das von Bankfachleuten durchrechnen lassen, betonte Eumann.

Danach schuldet ein Studierender, der 14 Semester für sein Studium braucht, der NRW.Bank bei Abschluss des Studiums 11.005,88 Euro an Studiengebühren (14 x 500 Euro je Semester) und Zinsen (aktueller Zinssatz der NRW.Bank 5,85 Prozent). Bei Beginn der Rückzahlung nach zwei Jahren steigt der Betrag durch Zinsen auf 12.331,23 Euro an. Eumann: "Um diesen Wert zu tilgen, reicht der im Gesetz angelegte monatliche Mindestrückzahlungsbetrag von 50 Euro gar nicht aus, da der Zinsanteil bereits 60,11 Euro monatlich beträgt. Fazit: Der in Anspruch genommen Kredit könnte gar nicht getilgt werden, der Kreditbetrag erhöhte sich sogar noch."

Ginge man von einer monatlichen Rate von 100 Euro aus, so Eumann, benötige der Studierende 15 Jahre, um seine Schulden zu tilgen. Am Ende hätte er dann für 7.000 Euro Kreditsumme insgesamt ein Gesamtdarlehen von 18.000 Euro zurückzuzahlen. "Der Studierende hat mit etwa 20 Jahren sein Studium aufgenommen, sieben Jahre studiert, 2 Jahre Orientierungsphase im Beruf, und ist erst mit 44 Jahren wieder schuldenfrei. Dabei sind mehrere mögliche und wahrscheinliche Zinsanpassungsschritte der Bank noch gar nicht berücksichtigt", bilanzierte Eumann.

"Das wird viele Schülerinnen und Schüler vom Studium abschrecken. Studiengebühren sind der Chancentod für viele junge Menschen und letztlich auch für die Zukunft Deutschlands. Nur mit deutlich mehr gut ausgebildeten Akademikern werden wir im internationalen Wettbewerb bestehen können. Deshalb ist die Einführung von Studiengebühren grundsätzlich der falsche Weg", betonte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende.